Für sichere Online-Klausuren braucht es mehr als eine zuverlässige Prüfungssoftware. Erfahren Sie, wie Hochschulen Täuschungsrisiken reduzieren, den Datenschutz und die Chancengleichheit berücksichtigen, sich auf technische Ausfälle vorbereiten und digitale Prüfungen nachvollziehbar dokumentieren. Online-Klausuren sind heute keine kurzfristige Alternative zu Präsenzprüfungen mehr. Hochschulen setzen digitale Prüfungsformate heute gezielt ein, um Prüfungsprozesse flexibler zu gestalten, große Kohorten effizient zu organisieren und Auswertungen teilweise zu automatisieren.
Mit dieser Flexibilität steigen allerdings auch die Anforderungen. Wie lässt sich sicherstellen, dass tatsächlich die richtige Person an der Prüfung teilnimmt? Wie können Täuschungsversuche erschwert werden? Was passiert bei einem technischen Ausfall? Und wie lassen sich Datenschutz, Chancengleichheit und Nachteilsausgleich angemessen berücksichtigen? Eine sichere Online-Prüfung basiert somit auf dem Zusammenspiel von Technik, Prüfungsorganisation und klar definierten Prozessen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Risiken Hochschulen berücksichtigen sollten und mit welchen Maßnahmen Sie Online-Klausuren sicher und nachvollziehbar durchführen können.
Was bedeutet Prüfungssicherheit bei Online-Klausuren?
Bei digitalen Prüfungen umfasst Prüfungssicherheit mehrere Ebenen. Es geht nicht nur darum, Täuschungsversuche zu verhindern. Ebenso wichtig sind ein verlässlicher Zugang zur Prüfung, nachvollziehbare Abläufe, der Schutz personenbezogener Daten und vergleichbare Bedingungen für alle Teilnehmenden. Zu den zentralen Anforderungen gehören:
- eindeutige Zugangs- und Berechtigungskonzepte
- Schutz von Prüfungsinhalten vor unbefugtem Zugriff
- Maßnahmen zur Reduzierung von Täuschungsversuchen
- stabile technische Abläufe
- Datenschutz und Informationssicherheit
- Chancengleichheit und Nachteilsausgleich
- nachvollziehbare Dokumentation
- definierte Verfahren für technische Störungen
Je höher die Bedeutung einer Prüfung ist, desto sorgfältiger sollten Hochschule, Prüfungsamt, IT-Abteilung und Lehrende die entsprechenden Aspekte gemeinsam planen. Es gibt keine einzelne technische Funktion, die eine Prüfung automatisch „sicher“ macht. Ein belastbarer Prüfungsprozess entsteht vielmehr durch mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen.
Welche Risiken bestehen bei Online-Klausuren?
Digitale Prüfungen bringen andere Risiken mit sich als klassische Klausuren im Prüfungsraum.
Täuschungsversuche und unerlaubte Hilfsmittel
Bei nicht beaufsichtigten Online-Prüfungen ist es schwieriger zu kontrollieren, welche Hilfsmittel genutzt werden oder ob andere Personen Unterstützung leisten. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt stark vom Prüfungsformat ab. Bei einer Open-Book-Prüfung ist der Zugriff auf Unterlagen beispielsweise Teil des Konzepts. Bei einer klassischen Klausur können Zugangsbeschränkungen, zufällige Aufgabenreihenfolgen oder eine technische Prüfungsumgebung dagegen sinnvoll sein.
Technische Störungen
Eine instabile Internetverbindung, ein defektes Endgerät oder ein Browserproblem können die Bearbeitung einer Online-Klausur unterbrechen. Um in solchen Situationen nicht ad hoc entscheiden zu müssen, sollten Hochschulen bereits vor der Prüfung festlegen, wie mit technischen Störungen umgegangen wird.
Datenschutz
Digitale Prüfungen verarbeiten personenbezogene Daten sowie teilweise umfangreiche Prüfungsinformationen. Beim Proctoring können je nach Verfahren weitere Daten wie Video-, Audio- oder Bildschirmaufzeichnungen hinzukommen. Deshalb muss Datenschutz bereits bei der Konzeption der Prüfung berücksichtigt werden.
Unterschiedliche technische Voraussetzungen
Nicht alle Studierenden verfügen über dieselbe technische Ausstattung, Internetverbindung oder Arbeitsumgebung. Das kann gerade bei Prüfungen von zu Hause Auswirkungen auf die Chancengleichheit haben.
Fehlende Dokumentation
Auch ein technisch einwandfreier Prüfungsprozess kann problematisch werden, wenn später nicht mehr nachvollziehbar ist, wer wann Zugang hatte, welche Version verwendet wurde oder welche Bearbeitungszeit galt. Dokumentation gehört deshalb unmittelbar zur Prüfungssicherheit.
Online-Klausuren technisch und organisatorisch vorbereiten
Eine sichere Online-Klausur beginnt lange vor dem Prüfungstermin. Prüfen Sie zunächst, welche technischen und organisatorischen Anforderungen aus dem jeweiligen Prüfungsformat entstehen. Eine kleine formative Lernstandskontrolle benötigt andere Sicherheitsmaßnahmen als eine benotete Modul- oder Abschlussprüfung.
Prüfungsablauf frühzeitig definieren
Legen Sie vorab fest:
- wann die Prüfung beginnt und endet
- wie Teilnehmende Zugang erhalten
- welche Hilfsmittel zugelassen sind
- wie die Identität geprüft wird
- welche technischen Voraussetzungen gelten
- wie bei Störungen vorgegangen wird
- wer während der Prüfung erreichbar ist
- wie Ergebnisse gespeichert und weiterverarbeitet werden
Je klarer dieser Ablauf definiert ist, desto geringer ist der Abstimmungsbedarf während der eigentlichen Prüfung.
Testprüfung anbieten
Gerade bei komplexeren Online-Klausuren empfiehlt sich ein technischer Probedurchlauf. Studierende können dabei den Login, Browser, Endgerät und grundlegende Funktionen testen. Gleichzeitig lernen sie den Prüfungsablauf kennen, ohne dass bereits Leistungsdruck besteht. Nutzen Sie möglichst dieselben technischen Rahmenbedingungen wie bei der späteren Prüfung.
Lesetipp: Im Beitrag „Prüfung erstellen mit evaexam“ erfahren Sie, wie Sie digitale Prüfungen von der Planung bis zur Auswertung strukturiert vorbereiten.
Täuschungsrisiken bei Online-Prüfungen reduzieren
Täuschungsschutz beginnt nicht erst bei der Prüfungsaufsicht. Bereits die Gestaltung der Prüfung kann dazu beitragen, unerlaubte Zusammenarbeit oder das einfache Übernehmen fremder Antworten zu erschweren.
Aufgaben und Reihenfolge variieren
Unterschiedliche Reihenfolgen von Fragen oder Antwortoptionen erschweren es, Lösungen unmittelbar zwischen Teilnehmenden auszutauschen. Mit einem ausreichend großen Fragenpool können zudem unterschiedliche Prüfungsversionen erstellt werden. evaexam unterstützt die automatische Versionierung und zufällige Reihenfolgen, wodurch sich Prüfungen auch für größere Kohorten variieren lassen.
Prüfungsformat passend zum Lernziel wählen
Nicht jede Online-Prüfung muss klassische Wissensabfrage reproduzieren. Je nach Lernziel können anwendungsbezogene Fragen, Fallbeispiele oder Open Book Formate sinnvoller sein. Dadurch kann sich der Fokus von der reinen Reproduktion von Wissen hin zur Anwendung und Problemlösung verschieben.
Zugänge individuell absichern
Prüfungszugänge sollten nur den tatsächlich berechtigten Personen zur Verfügung stehen. evaexam unterstützt individuelle TAN Zugänge sowie Authentifizierung über angebundene Lernmanagementsysteme. Rollen und Rechte können zusätzlich steuern, wer auf Prüfungsinhalte zugreifen darf.
Welche Rolle spielt Proctoring?
Proctoring bezeichnet die digitale Beaufsichtigung von Online-Prüfungen. Dabei können je nach eingesetzter Lösung beispielsweise Identität, Bildschirmaktivitäten oder die Prüfungsumgebung kontrolliert werden. Der Einsatz sollte jedoch nicht pauschal als Voraussetzung für jede Online-Klausur verstanden werden.
Gerade an Hochschulen bewegt sich Proctoring im Spannungsfeld zwischen Prüfungsaufsicht, Datenschutz, Privatsphäre und Chancengleichheit. Das Hochschulforum Digitalisierung empfiehlt deshalb, rechtliche Rahmenbedingungen frühzeitig gemeinsam mit Rechtsabteilung und Datenschutzbeauftragten zu prüfen.
Bevor Sie Proctoring einsetzen, sollten Sie unter anderem klären
- Ist eine Beaufsichtigung für dieses Prüfungsformat erforderlich?
- Welche Daten werden verarbeitet?
- Auf welcher Grundlage erfolgt die Verarbeitung?
- Welche Personen erhalten Zugriff?
- Wie lange werden Daten gespeichert?
- Welche Alternativen stehen zur Verfügung?
- Wie werden Studierende vorab informiert?
Proctorio und evaexam
evaexam unterstützt externe Proctoring Lösungen wie Proctorio. Die Integration kann Funktionen zur Identitätsprüfung und Prüfungsüberwachung in den Online-Prüfungsprozess einbinden. Zusätzlich unterstützt evaexam den Safe Exam Browser, mit dem der Zugriff auf andere Anwendungen und Ressourcen während einer Prüfung eingeschränkt werden kann.
Welches Verfahren für eine konkrete Hochschule und Prüfung geeignet ist, muss allerdings anhand der jeweiligen Prüfungsordnung, des Landesrechts, der Datenschutzanforderungen und des Prüfungskonzepts entschieden werden.
Datenschutz bei Online-Klausuren von Anfang an berücksichtigen
Digitale Prüfungen verarbeiten personenbezogene Daten. Datenschutz sollte deshalb nicht erst kurz vor dem Prüfungstermin geprüft werden. Beziehen Sie Datenschutzbeauftragte frühzeitig in die Gestaltung des Prüfungsprozesses ein und klären Sie insbesondere
- welche Daten für die Prüfung tatsächlich erforderlich sind
- wo Prüfungsdaten gespeichert werden
- wer auf Prüfungen und Ergebnisse zugreifen darf
- welche Aufbewahrungs- und Löschfristen gelten
- ob externe Dienste eingebunden werden
- welche zusätzlichen Daten beim Proctoring entstehen
Vermeiden Sie Daten, die für den Prüfungszweck nicht notwendig sind, und definieren Sie Rollen und Zugriffsrechte klar.
Chancengleichheit und Barrierefreiheit sicherstellen
Prüfungssicherheit bedeutet auch, vergleichbare und zugängliche Prüfungsbedingungen zu schaffen. Dabei geht es nicht darum, allen Teilnehmenden exakt dieselben Rahmenbedingungen vorzugeben. Individuelle Nachteilsausgleiche können gerade Voraussetzung dafür sein, Chancengleichheit herzustellen.
Barrierefreie Prüfungsoberflächen
Online-Prüfungen sollten auch mit unterstützenden Technologien zugänglich sein und Inhalte verständlich darstellen. evaexam unterstützt nach aktueller Produktinformation Barrierefreiheit nach WCAG 2.1 auf Stufe AA. Prüfende sollten zusätzlich darauf achten, dass auch die konkret verwendeten Inhalte barrierearm gestaltet sind. Dazu gehören beispielsweise verständliche Texte, geeignete Grafiken und sinnvoll aufgebaute Aufgaben.
Nachteilsausgleich berücksichtigen
Seit evaexam 2026.1 können zusätzliche Bearbeitungszeiten für einzelne oder mehrere Teilnehmende direkt in einer Online-Prüfung hinterlegt werden. Personen mit und ohne Nachteilsausgleich können dadurch am selben Prüfungsvorgang teilnehmen, während die jeweils vorgesehene Bearbeitungszeit automatisch berücksichtigt wird. Welche Form des Nachteilsausgleichs erforderlich ist, richtet sich weiterhin nach den Vorgaben der Hochschule und dem individuellen Bedarf.
Lesetipp: Welche Möglichkeiten evaexam 2026.1 für den individuellen Nachteilsausgleich bietet, erfahren Sie in unserem Beitrag zu den aktuellen Funktionen der Version 2026.1.
Prüfungsvorgänge nachvollziehbar dokumentieren
Bei benoteten Prüfungen müssen Entscheidungen und Abläufe auch im Nachhinein nachvollziehbar bleiben. Dazu gehört z. B.:
- welche Prüfungsversion verwendet wurde
- welche Aufgaben gestellt wurden
- welche Bearbeitungszeit galt
- welche Antworten eingereicht wurden
- wie bewertet wurde
- welche Nachteilsausgleiche berücksichtigt wurden
- wann Ergebnisse bereitgestellt wurden
Eine zentrale Prüfungssoftware kann dabei helfen, diese Informationen konsistent zu verwalten. evaexam speichert Prüfungsdaten zentral, unterstützt Exporte und bietet eine revisionssichere Verwaltung des Fragenpools und der Prüfungsinformationen. Auf der aktuellen Produktseite wird zudem die automatische Speicherung und Archivierung von Prüfungsdaten als Bestandteil des Prüfungsprozesses beschrieben.
Revisionssichere technische Dokumentation ersetzt allerdings nicht die prüfungsrechtlichen Vorgaben einer Hochschule. Aufbewahrungsfristen und Dokumentationspflichten müssen mit den jeweils geltenden Regelungen abgestimmt werden.
Was passiert bei technischen Störungen?
Auch gut vorbereitete Online-Klausuren können von technischen Problemen betroffen sein. Deshalb gehört ein klarer Notfallplan zu jedem sicheren Prüfungsprozess. Definieren Sie vorab, was bei unterschiedlichen Störungen passiert.
Problem auf Seite einzelner Teilnehmender
Klären Sie, wie Studierende technische Probleme melden können und welche Nachweise erforderlich sind. Legen Sie außerdem fest, ob eine Wiederaufnahme, zusätzliche Bearbeitungszeit oder ein neuer Prüfungstermin vorgesehen ist.
Größere technische Störung
Bei einem zentralen Ausfall sollte klar sein, wer entscheidet, ob eine Prüfung fortgesetzt, unterbrochen oder verschoben wird. Kommunikationswege müssen auch dann funktionieren, wenn das eigentliche Prüfungssystem vorübergehend nicht erreichbar ist.
Fallback Verfahren
Je nach Prüfungsformat kann es sinnvoll sein, alternative Abläufe vorzubereiten. Dazu können ein Ersatztermin, alternative Endgeräte vor Ort oder der Wechsel auf ein anderes zulässiges Prüfungsformat gehören. Entscheidend ist, diese Szenarien vor der Prüfung zu definieren. Spontane Einzelfallentscheidungen während einer Klausur bergen das Risiko unterschiedlicher Bedingungen für die Teilnehmenden.
Checkliste für sichere Online-Klausuren
Bevor Sie eine digitale Prüfung starten, sollten Sie diese Punkte prüfen.
- Prüfungsformat und Lernziele sind eindeutig definiert
- Prüfungsordnung und institutionelle Vorgaben wurden geprüft
- Studierende kennen Ablauf und technische Voraussetzungen
- Eine Testprüfung wurde angeboten
- Prüfungszugänge sind individuell abgesichert
- Erlaubte Hilfsmittel sind eindeutig kommuniziert
- Täuschungsschutz passt zum Prüfungsformat
- Datenschutz und Zugriffsrechte sind geklärt
- Barrierefreiheit und Nachteilsausgleich wurden berücksichtigt
- Vorgehen bei technischen Störungen ist dokumentiert
- Zuständigkeiten während der Prüfung sind klar
- Prüfungsdaten und Ergebnisse werden nachvollziehbar dokumentiert
Wie evaexam sichere Online-Prüfungen unterstützt
evaexam unterstützt Hochschulen dabei, Online-Klausuren vom Fragenpool über die Durchführung bis zur Auswertung und Dokumentation zentral abzubilden. Für Prüfungssicherheit stehen unter anderem folgende Funktionen zur Verfügung:
- zentraler Fragenpool mit Rollen- und Rechtesystem
- individuelle TAN-Zugänge und LMS-Authentifizierung
- zufällige Aufgabenreihenfolgen und Prüfungsversionen
- Zeitsteuerung für Online-Klausuren
- Proctorio Integration
- Unterstützung des Safe Exam Browsers
- WCAG 2.1 AA für barrierearme Online-Prüfungen
- individueller Nachteilsausgleich durch zusätzliche Bearbeitungszeit
- zentrale Speicherung und Export von Prüfungsdaten
- automatisierte Auswertung geeigneter Fragetypen
Damit lassen sich technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen in einem durchgängigen Prüfungsprozess zusammenführen.
Lesetipp: Wie die Leuphana Universität Lüneburg evaexam für Online-Prüfungen mit großen Kohorten, stabilem Hosting und Live Monitoring nutzt, erfahren Sie in der entsprechenden Case Study.
Fazit
Sichere Online-Klausuren entstehen nicht durch eine einzelne Funktion. Hochschulen müssen Technik, Organisation, Datenschutz, Chancengleichheit und Prüfungsrecht gemeinsam betrachten. Definieren Sie deshalb frühzeitig klare Abläufe, sichern Sie Zugänge angemessen ab, bereiten Sie technische Störungen vor und dokumentieren Sie den Prüfungsprozess nachvollziehbar. Auch Maßnahmen gegen Täuschungsversuche sollten immer zum konkreten Prüfungsszenario passen.
Eine spezialisierte Online-Prüfungssoftware wie evaexam kann viele dieser Schritte technisch unterstützen und wiederkehrende Prüfungsprozesse standardisieren. Die Verantwortung für die konkrete prüfungsrechtliche und organisatorische Ausgestaltung bleibt dabei bei der jeweiligen Hochschule.
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